Stalking

Wenn man einen Stalker hat, dann fühlt sich das an, als hätte man ständig so eine kleine bissige Fußhupe, die man echt nicht braucht, an der Hose hängen. Sie zieht und zerrt und versucht krampfhaft, Aufmerksamkeit zu bekommen – und ist doch nur lästig.

Nachdem mein Stalker 1 nach Jahren endlich mehr oder weniger Ruhe gab (ob aus Langeweile oder mangels Reaktion meinerseits, ist nicht überliefert), tauchte also Stalker 2 auf und das Ganze begann wieder von vorne.
Das Gute daran: Mir ist in dieser Hinsicht langsam nichts mehr fremd.
Das Schlechte daran: Es nervt unendlich!

Nun ist es ja so, dass manche Menschen einfach nicht kapieren, was “Du bist geblockt” bedeutet – nämlich: Ich möchte nicht, dass Du meinem Leben in den Sozialen Medien folgst. Ich möchte nicht, dass Du mir E-Mails schreibst, ich möchte nicht, dass Du mich anrufst. Ich möchte ganz einfach nichts von Dir wissen.

Stattdessen flöhen sie jeden Tag Deine Social-Media-Profile und Websites akribisch durch, auf dass ihnen ja nichts entgeht. Geschenkt – davon bekomme ich nichts mit, das ist mir egal.
Dass Screenshots von Deinen Tweets oder Posts an andere Menschen verschickt werden (Hihihi! Lästerläster! Schrabbelschrabbel!): Geschenkt.
Dass anderen Menschen, die noch nicht mal wissen, was Twitter ist, ungefragt Deine Timeline unter die Nase gehalten wird: Geschenkt.
Dass bei jeder sich bietenden Gelegenheit Unwahrheiten und Horrorgeschichten verbreitet werden: Geschenkt.
Dass sich an Deine Freunde herangewanzt wird, um auf die bewährten Aktionen von oben zurückzugreifen: Ebenfalls geschenkt.
Der Stalker entblödete sich sogar, meine Mutter anzurufen, um ihr irgendeine Geschichte aufzutischen. Pech, dass mein Mütterlein keinerlei Interesse hatte und genervt auflegte 😉

Wie auch immer, das ist alles pillepalle und stört mich nicht weiter, auch wenn ich mich manchmal frage, woher diese merkwürdige Besessenheit kommt, sich tagein, tagaus mit mir zu beschäftigen. Es nervt mich dann, wenn mal wieder ein irgendein Mensch, den ich kaum kenne, zu mir kommt, herumdruckst und schließlich sagt: “Also XY hat ja über Dich gesagt… XY hat mir gezeigt…” Ähm, ja? Interessiert mich das? Nein? Glaub’s oder glaub’s nicht, Hauptsache, ich muss das Thema nicht vertiefen. Dass ich mich für so einen Scheiß noch rechtfertige – im Leben nicht!

Leider kommt jeder Stalker irgendwann an einen Punkt, an dem ihm auffällt, dass sein Geschwätz niemanden großartig kratzt. Dann müssen also andere Geschütze her (warum? I don’t know…) und da der Stalker in der Regel in einer niedrigeren Liga spielt, wird es einfach nur lästig und erbärmlich.

Sachbeschädigung

Es ist natürlich großes Kino, sich nachts an meinem Eigentum zu vergreifen *augenroll
Immerhin brachte es mir gute Bekanntschaft mit den Stadtteilpolizisten ein, die jetzt im Winter freiwillig und liebevoll mein Auto freikratzen. Von daher will ich mich noch nicht mal beschweren.

Unerklärliche Post

Broschüren von Selbsthilfegruppen, Lebensratgeber, Newsletter, Pakete vom Sex-Shop – wenn das nicht so abgedroschen wäre, fände ich es vielleicht lustig. Im Endeffekt ist es, eben, nur nervig. Und Kindergarten.

Anschwärzen bei der Obrigkeit

Das scheint auch so ein Klassiker zu sein, irgendwelchen Ämtern anonym einen Blödsinn zu erzählen. Was bitte zieht man sich denn daraus?
Auch schön: Der Tag, an dem die Person, die mich stalkte, zu meinem Chef marschierte, um ihn über meine Unfähigkeit im Allgemeinen und besonders im fachlichen Bereich zu unterrichten. Der Chef freute sich sehr und ermahnte mich, besser auf meinen Umgang zu achten. Er jedenfalls wolle solche Figuren nicht mehr in seinem Büro sehen. BÄM.

Erpressungsversuche

Das steht auf meiner Stalking-Hitliste eindeutig auf Position 1.
Beispiel: Die Person, die mich stalkte, durchsuchte so lange das Internet, bis sie eine alte, studentische Homepage von mir entdeckte. Daraufhin recherchierte sie im Internetarchiv nach noch älteren Versionen dieser Seite, machte Screenshots und schickte sie mir mit der Bemerkung, dass es doch seeehr traurig wäre, wenn diese an die Öffentlichkeit kommen würden?
Eigentlich war nur eins traurig: Dieser jämmerliche Versuch, mich zu erpressen. Und falls Sie sich an dieser Stelle fragen, ob es da irgendetwas Spannendes zu sehen gab: Nö. Was man halt als Student so mitzuteilen hat.

Deswegen an dieser Stelle: Lass mich in Ruhe. Hör auf, Dich mit mir zu beschäftigen, such Dir ein Leben, such Dir Freunde, Hobbys, und einen guten Therapeuten. Hör auf, jedem Hans und Franz Schwachsinn über mich zu erzählen. Das macht Dich nämlich bei Hans und Franz auch nicht sympatischer.
Kurz gesagt: Komm klar! Denn Du interessierst mich nicht, und Du wirst es auch nie tun.